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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2026 -
Beitrag vom 07.05.2026
Der AVIVA-Kulturkalender - Kunst + Kultur in Berlin
AVIVA-Redaktion
Die AVIVA-Auswahl zu Ausstellungen und Vernisssagen von etablierten, noch unbekannten und unentdeckten oder zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlerinnen in und um Berlin.
Liebe Leser*innen, diese Seite wird regelmäßig aktualisiert, es lohnt sich also, öfter vorbeizuschauen! Zur Info - die Termine sind chronologisch nach dem Beginndatum der jeweiligen Ausstellung geordnet, scrollt/scrollen Sie daher am besten durch diese Seite um zu einem bestimmten Datum zu gelangen.
Ihre/eure AVIVA-Berlinerinnen
Terminsuche: März 2026
Ausstellung: 7. März – 17. Mai 2026
Eröffnung: 6. März 2026, 19 Uhr. Eintritt frei!EDITH TUDOR-HART
Crossing Lines – Fotografie zwischen Kunst und AktivismusErstmals in Deutschland zeigt f³ – freiraum für fotografie eine umfangreiche Retrospektive der österreichisch-britischen Exilfotografin Edith Tudor-Hart (1908 Wien – 1973 Brighton).
Edith Tudor-Hart, geborene Suschitzky, war eine zentrale Protagonistin der sozialdokumentarischen Fotografie zwischen 1930 und 1955. In ihrem Werk wies sie engagiert auf gesellschaftliche Missstände hin, behandelte Themen wie Armut, Integration und Frauenrechte und bildete die Lebensbedingungen der arbeitenden Klasse ab. Sie fotografierte das Leben in Wiener Hinterhöfen, an der Donau und im Prater, die Proteste gegen den aufkommenden Faschismus, Bergmänner, Fabrikarbeiter und Fischer in Wales, die Frauenbewegung der Nachkriegszeit und die neuen Einrichtungen der Reformpädagogik.
Aus einer säkularen jüdischen Familie in Wien stammend und als überzeugte Kommunistin war ihr Lebensweg von politischer Verfolgung und persönlichen Schicksalsschlägen geprägt: Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung zur Montessori-Kindergartenpädagogin in Wien und London, wo sie den Beruf auch ausübte. In den späten 1920er-Jahren studierte sie am Bauhaus in Dessau Fotografie und Grafik und entwickelte dort ihren sachlichen, sozialkritischen Stil. 1933 wurde sie wegen ihres Engagements in der Kommunistischen Partei inhaftiert und floh vor dem Faschismus ins Exil nach England. Ihren Mann, den britischen Arzt Alexander Tudor-Hart, heiratete sie an der britischen Botschaft in Wien, damit sie als seine Ehefrau nach Großbritannien ausreisen konnte. In London setzte sie ihre fotografische Arbeit erfolgreich fort und publizierte zahlreiche Reportagen in linksgerichteten Zeitungen und Zeitschriften, darunter die Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ), der Kuckuck und die Picture Post.
Vermutet wird, dass Edith Tudor-Hart bereits seit ihrem Teenageralter mit Nachrichtendiensten und Geheimdiensten der Sowjetunion zusammenarbeitete. Ihre Aktivitäten als Agentin blieben jedoch zeitlebens unentdeckt. Historisch belegt ist, dass sie eine Schlüsselrolle bei der Rekrutierung des berühmten Spionagerings "Cambridge Five" spielte. Aus Angst vor Überwachung und Enttarnung vernichtete sie in den 1950-Jahren einen Teil ihrer Negative und beendete wegen des Drucks des englischen Geheimdienstes und aus gesundheitlichen Gründen ihre Tätigkeit als Fotografin. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, eröffnete sie ein kleines Buchantiquariat. 1973 starb Edith Tudor-Hart in Brighton. Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod wurde ihr fotografisches Werk wiederentdeckt und neu bewertet. Ihr fotografischer Nachlass befindet sich heute im Archiv des Fotohofs Salzburg.
Veranstaltungsort: f³ – freiraum für fotografie |Prinzessinnenstraße 30 | 10969 Berlin
Öffnungszeiten: Di–So, 13–19 Uhr
www.fhochdrei.org27. März bis 25. Mai 2026Barbara Loftus. Eine EnterbungDie Ausstellung "Eine Enterbung" im Haus am Lützowplatz (HaL) ist das Ergebnis einer seit 1994 andauernden künstlerischen Auseinandersetzung der britischen Malerin und Filmemacherin Barbara Loftus (*1946) mit dem früheren Leben ihrer Mutter Hildegard, geborene Basch (1915-2007). Diese entkam dem NS-Regime im britischen Exil, während ihre Eltern und ihr Bruder am 14. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden.
Über die Kindheit der Mutter im Berlin-Schöneberg der 1920er Jahre, über ihr Aufwachsen in der anfangs noch großbürgerlichen Wohnung in der Lutherstraße 51 (1939 umbenannt in Keithstraße 14), über die finanziellen Schwierigkeiten der Großeltern Sigismund und Herta während der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise sowie schließlich über die ab 1933 einsetzende massive gesellschaftliche Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung bis hin zu Verfolgung, Deportation und Vernichtung – über all dies wusste die Tochter jahrzehntelang nichts Genaues.
Erst im Alter von 79 Jahren begann Barbaras Mutter aus einer zufälligen Situation heraus, über diesen Teil ihrer Vergangenheit zu sprechen. Seitdem widmet sich ihre Tochter der zuvor verborgenen Familiengeschichte mit bemerkenswerter Hingabe und Stringenz. Barbara Loftus studierte von 1962 bis 1964 an der Harrow School of Art und anschließend von 1964 bis 1968 am Brighton College of Art. Nach mehreren Ausstellungen und Lehrtätigkeiten wurden die ab 1994 zugänglich gewordenen Erinnerungen ihrer Mutter zum Katalysator neuer künstlerischer Verfahren – etwa der archivbasierten Forschung oder des Dokumentarfilms – und zugleich zum Zentrum einer bis heute fortgeführten Werkserie.
Ein Teil ihrer (re)konstruierten "Erinnerungsbilder" wurde 2013/14 im
Ephraim-Palais aus Anlass des Themenjahres "Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933–1938–1945" gezeigt, das an die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die Novemberpogrome erinnerte. Die dort ausgestellten Arbeiten wurden anschließend vom Land Berlin für die Sammlung des Stadtmuseums erworben. Eine Auswahl daraus bildet nun den Grundstock der Ausstellung im Haus am Lützowplatz, ergänzt um zahlreiche neue Arbeiten, einen 2018 entstandenen Film sowie eine neue Publikation.
Die Idee zur Ausstellung wurde von Paul Spies noch während seiner Amtszeit als Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin im Austausch mit Marc Wellmann und Barbara Loftus entwickelt. Die örtliche Nähe zur Keithstraße sowie der Umstand, dass die Ausstellungsräume am Lützowplatz zu einem Wohnhaus gehören, das sich bis 1938 in jüdischem Besitz befand, bildeten dabei die tragenden, bedeutungsstiftenden Motive.
Im
Permanent-Verlag erscheint ein Katalog.
Die Publikation konnte dank der großzügigen Unterstützung einer Berliner Kunstfreundin realisiert werden.
Kuratiert von Marc Wellmann, Künstlerischer Leiter Haus am Lützowplatz (HaL).
Veranstaltungsort: Haus am Lützowplatz
Fördererkreis Kulturzentrum Berlin e.V.
Lützowplatz 9
10785 Berlin
www.hal-berlin.de/ausstellung/eine-enterbung